Montag, 26 März 2018 21:09

Trachten aus der Region als Objekt eines spannenden Modeprojektes

Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß (2. von rechts) und Prof. Martina Glomb (ganz rechts) gemeinsam mit Studierenden der HS Hannover bei der Anprobe lokaler Trachten. Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß (2. von rechts) und Prof. Martina Glomb (ganz rechts) gemeinsam mit Studierenden der HS Hannover bei der Anprobe lokaler Trachten. Stadt Frankenberg

Rund 40 Studierende der Hochschule Hannover, Fachrichtung Modedesign, waren jetzt für zwei Tage zu Besuch in Frankenberg (Eder). Anlass war der Auftakt zu einem gemeinsamen Projekt der Stadt mit der Hochschule. Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes steht die regionale Tracht in all ihren Facetten – unter anderem mit dem Ziel, die regionale Identität zu stärken.

Über drei Semester hinweg werden sich Studierende mit Trachten aus Frankenberg und der Region auseinandersetzen, sie analysieren, mit traditionellen Elementen experimentieren und alles neu betrachten.

„Wir Modedesigner sind Piraten“ gestand entsprechend auch Martina Glomb, seit 2005 Professorin für experimentelle Mode in Hannover und Mitinitiatorin des Projektes. Sie selbst hat unter anderem über zehn Jahre als Designerin für Vivienne Westwood gearbeitet. Gleich vier Kollegen hat sie mit an Bord geholt: Prof. Johannes Assig, Spezialist für Männermode, die Lehrkraft für besondere Aufgaben Sun Jong An als Expertin für avantgardistische Mode, den Experten für analoge und digitale Illustration, Prof. Volker Feyerabend, und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Beatrix Landsbek. Begleitet wurde die Delegation außerdem von Fotografie-Studierenden, die das Projekt dokumentieren.

Eine eigene Frankenberger Tracht gibt es nicht, in der Region sind vor allem die Bunstruther Tracht sowie die Marburger Evangelische Tracht verbreitet. Bei einem gemeinsamen Termin erklärte Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß – selbst in Tracht: „Wir wollen mit dem Projekt nicht die Tracht neu erfinden, oder gar die existierenden Trachten verdrängen – im Gegenteil. Es geht darum, die regionale Tracht zum Thema zu machen.“ Er könne nicht verstehen, warum man als Nordhesse auf Lederhose und Dirndl zurückgreifen müsse, wenn man sich in Tracht kleiden wolle. „Wir möchten auch die ‚Nicht-Trachtenträger‘ dafür begeistern, sich mit dem Thema Brauchtum zu befassen.“

Einerseits geht es im Projekt für die Studierenden darum, aus den traditionellen Trachten, Mustern, Materialien und regional hergestellten Stoffen einzelne Elemente herauszulösen und daraus neue Mode zu kreieren – klassisch, alltagstauglich, avantgardistisch, oder auch experimentell.

Andererseits geht es darum, hier vor Ort durch das Einbeziehen traditioneller wie auch neuer Stoffe (z. B. Flachs und Denim), historischer Drucktechniken wie dem Blaudruck, traditioneller Muster und Borten eine neue Wertschätzung von Tradition, lokaler Identität und auch lokaler Produktion zu erreichen – alles insbesondere auch unter Berücksichtigung nachhaltiger Strategien und Techniken wie Zero Waste, Slow-Fashion, Upcycling, etc.

Bei der professionellen Modenschau rund um das zehntürmige Frankenberger Rathaus, voraussichtlich im Mai 2019, wird ein Teil der Ergebnisse zu sehen sein. Was sonst dabei an Konkretem herauskommt, das „bleibt abzuwarten – dafür ist es ein Forschungsprojekt – aber wir sind sehr gespannt“, blickte Bürgermeister Heß erwartungsvoll nach vorne. „Das Gesamtkonzept passt auf jeden Fall auch hervorragend zu unseren aktuellen Themen Gemeinwohlökonomie und Nachhaltigkeit.“

Dafür wird mit lokalen und hessischen Museen, Unternehmen und Fertigungsbetrieben kooperiert. Auch die örtlichen Schulen sollen nach Möglichkeit mit eingebunden werden und von dem Projekt profitieren: Workshops zum Thema Nachhaltigkeit in der Mode und im Konsum sowie kleinere Projekte im Bereich Design und Fertigung von Mode sind vorgesehen. Auch sollen Schülerinnen und Schüler in die als Projekthöhepunkt geplante Modenschau mit eingebunden werden.

Dass Brauchtum und Tracht in der Region durchaus keine Themen „von gestern“ sind zeigt sich auch daran, dass erst am Wochenende der Deutsche Trachtentag in Marburg stattgefunden hat. Dort verlieh der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier persönlich das Prädikat „Tracht des Jahres“ an die auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg weit verbreitete Marburger Evangelische Tracht. Bouffier ist auch Schirmherr des internationalen Folkorefestivals Europeade, das vom 17.–21.07.2019 in Frankenberg (Eder) stattfinden wird.

Die Studierenden aus Hannover, darunter auch einige Gaststudenten aus dem europäischen Ausland, hatten am gemeinsamen Abend selbst Gelegenheit, sich mit historischen und nachgeschneiderten Trachten einzukleiden. Mit dabei waren auch Angela Paulus, Leiterin der Fachgruppe Brauchtum und Trachten der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT), sowie Thomas Schmidtmann von der Landjugend Haubern als lokale Vertreter.

Auf dem Programm der Studierenden, die während des Besuches in der Jugendburg Hessenstein untergebracht waren, standen außerdem eine Stadtführung in Frankenberg (Eder) sowie verschiedene Museen in der Region: das Museum im Kloster Frankenberg, das Thonet Museum, das Hessische Landesmuseum Kassel sowie der Besuch der Historischen Weberei Egelkraut in Schwalmstadt und des Museums Ziegenhain. Ziel war es, Land und Leute kennenzulernen und möglichst viele Eindrücke aus Frankenberg (Eder) und der Region mitzunehmen – um sie anschließend kreativ zu verarbeiten.

Über die HS Hannover:

Die HS Hannover ist wissenschaftlicher Partner des Projekts. Im Studiengang Modedesign an der Fakultät III in Hannover  hat man sich bereits in der Vergangenheit ausführlich mit regionaler Tracht beschäftigt – unter anderem in dem Projekt „Nach Neuem Trachten“ im Schaumburger Land. Darüber hinaus wird in diesem Studiengang eine nachhaltige Designstrategie verfolgt und gelehrt, unter Einbeziehung lokaler Ressourcen und Betriebe, Handwerkstechniken und Traditionen, mit innovativen Konzepten zu Upcycling, Zero Waste und nachhaltigem Konsum.

Die Abteilung Design und Medien bietet verschiedene Studiengänge unter einem Dach an: Mode- sowie Produktdesign, Innenarchitektur, Visuelle Kommunikation, Fotojournalismus und Dokumentarfotografie und einige mehr.(PM)

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Quelle: www.apothekerkammer.de

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